Schwerter Miniaturen

Herbst
 
O du wunderschöner Herbst,
Wie du die Blätter golden färbst,
Deiner reinen Luft so klar und still,
Noch einmal ich mich freuen will.
 
Ich geh den Wald, den Weiher entlang;
Es schweigt das Leben, es schweigt Gesang,
Ich hemme den Schritt, ich hemme den Lauf
Erinnerungen ziehen herauf.

Erinnerungen sehen mich an,
Haben es wohl auch sonst getan.
Nur eins hält nicht mehr damit Schritt.
Lachende Zukunft geht nicht mehr mit.

Vergangenheit hält mich in ihrem Bann,
Vergangenheit hat mir’s angetan;
Den Blick in den Herbst, den hab ich frei,
Den Blick in den Herbst. Aber der Mai?

Theodor Fontane (1819-1898)

Jahreslosung 2021

Jesus Christus spricht: Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!
Lukas 6,36

Ich gebe gerne zu: Auf das Bild, ein abstraktes Aquarell, muss man sich schon ein wenig einlassen. Wie soll man auch z.B. die scheinbar ausweglose Situation der gnadenlosen Pandemie, die unbarmherzig Opfer fordert und die Barmherzigkeit Gottes zusammen bringen.

Es bleibt die Frage nach Gottes Erbarmen, wenn einerseits den Menschen ein hoffnungsvolles Leben verheißen ist und andererseits z.B. menschliche Kälte, Hass und Gier die Seelen zerstören. Jesus sagt: Wir sollen vergeben wie euer Vater vergibt, nicht verdammen – das leuchtet ein. Aber beim Nachdenken frage ich mich: „Jesus, ist das dein Ernst? Nicht richten?“

„Ja, genau so ist Gott“, sagt Jesus: „Alles an Gott ist vollkommen auch seine Barmherzigkeit.“

Mir war es wichtig, genau das im Bild darzustellen.
Die Farben gelb/rot sind ein Hinweis auf die absolute Liebe Gottes, umfassend ohne Grenzen, immer in Bewegung. Denn Liebe und Barmherzigkeit, die bereit sind, sich selbst zu geben und die bleiben, ganz gleich, was geschieht, beschreiben eine tiefe Verbundenheit und Großherzigkeit.

Mit wenigen Worten legt Jesus aus, was Barmherzigkeit ist. Es bleibt ein hoher Anspruch, der damit verbunden ist. Nicht richten, nicht verdammen sondern vergeben und geben. Jesus bringt es, schreibt Lukas, großartig auf den Punkt!

Viele Erfahrungen sprechen dafür, dass es die Sprache der Barmherzigkeit gegenwärtig schwer hat. Wer irgendeinen „Fehler“ macht, wird in den sozialen Netzwerken zuweilen geradezu hingerichtet. Unerbittlichkeit, Häme und Hass verdrängen alle Barmherzigkeit.
Die Rettung der Flüchtenden auf dem Mittelmeer wird kommentiert mit den Worten: Lasst sie ertrinken, denn sie sind selber schuld, wenn sie sich in eine solche Lebensgefahr begeben.
Das ist Ausdruck eines „steinerner Herzens“ und himmelweit weg von dem Wort Jesu: „Seid barmherzig, wie auch euer Vater barmherzig ist!“

Wir werden diese Barmherzigkeit auch untereinander sehr brauchen. Davon hängt ganz maßgeblich ab, wie wir durch dieses Jahr 2021 kommen. Ich bin mir sicher, die Wirkung wird uns überraschen. Es ist Gottes Weg mit uns Menschen!
Gott ist die Quelle der Barmherzigkeit!

Wir haben das Vorrecht, aus dieser Kraft Gottes zu leben, und das können wir ohne uns zu ängstigen und zu sorgen.

Heinz Kranefeld